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Unternehmen neu denken können

Unternehmen neu denken können

Mario Weiss

Warum die Reflexion unserer Denkmodelle gerade in schwierigen Zeiten so wichtig ist.

„Wenn wir so weitermachen, schaffen wir den Wendepunkt nicht.“ Die Schlussfolgerung des Vorstands war eindeutig. Bei der Jahrestagung hatten wir mit den Vertretern der 12 Bereiche die Denkmodelle hinterfragt, die in der Vergangenheit den Erfolg zwar gestützt hatten, aber allmählich zu Stolpersteinen wurden und aktuell das Unternehmen in eine schwierige Situation gebracht hatten.
Ja, man sprang nicht auf jeden Trend auf und stellte das Selbermachen immer höher als das Zukaufen von Ideen – dies signalisierte Beständigkeit. Aber gleichzeitig hatte das Querdenken keinen Platz, Veränderungen funktionierten meist erst im dritten Anlauf und Tradition war wichtiger als Innovation. Nun stand es da, schwarz auf weiß: „Das hat uns in diese schwierige Lage gebracht, wenn wir so weitermachen, fahren wir gegen die Wand.“

Unsichtbar und mächtig

Das Schwierige an der Sache ist: Denkmodelle entziehen sich unserem Bewusstsein. Sie wirken subtil, und das macht sie für die Unternehmensentwicklung so interessant. Als geheime Spielregeln lenken sie die Entscheidungen der Führungskräfte ebenso wie das Verhalten und damit auch die Kultur in Unternehmen. Ohne dass wir es merken, untergraben sie unsere Fähigkeit, Resultate zu erzielen, die wir wirklich wollen, weil wir glauben, …

  • dass es sich bei unseren Überzeugungen um die Wahrheit handelt,
  • dass diese Wahrheit offensichtlich ist,
  • dass unsere Überzeugungen auf objektiven Daten basieren,
  • dass die ausgewählten Daten relevante Informationen sind.

Wenn Ihnen also auffällt, dass man in Ihrem Unternehmen in manchen Punkten immer wieder auf der Stelle tritt, dass die alten Erfolgsrezepte nicht mehr greifen und die Diskrepanzen zu den vom Umfeld gestellten Anforderungen immer größer werden, sollten Sie sich fragen: Welche Denkmodelle herrschen in unserem Unternehmen, in erster Linie bei den Entscheidern und Schlüsselpersonen? Helfen uns diese Modelle noch bei der Bewältigung der aktuellen Herausforderungen? Oder ist es an der Zeit, die Denkmodelle an die Oberfläche zu holen und ihnen eine neue Richtung zu geben?

Dieser Veränderungsprozess setzt auf einer wesentlich tieferen Ebene an als es bei Veränderungen üblicherweise der Fall ist. Oft gehen Veränderungen nur so weit, die Strukturen anzupassen und Prozesse zu vereinfachen, aber in tiefen Krisen oder vor wichtigen Richtungsentscheidungen reicht das nicht mehr.

Denkmodelle sichtbar machen und wandeln

Die im Organisationskontext existierenden Denkmodelle sichtbar zu machen, ist ein gemeinschaftliches Unterfangen. In unserer Arbeit mit Unternehmen erklären wir zunächst, was Denkmodelle – Grundannahmen – überhaupt sind. Dann nehmen wir einen kleinen Umweg in Kauf: Würden wir die teilnehmenden Personen direkt auf ihre Denkmodelle ansprechen, würde uns wahrscheinlich sehr viel Widerstand entgegenschlagen. Die Fragen formulieren wir daher so, dass Beobachtungen zunächst wiedergegeben werden können. Am Ende des Prozesses kommt dann wieder die Person des Einzelnen ins Spiel, wenn die Beteiligten die Bedeutung der Veränderung für sich geklärt haben. Für diesen Gruppenprozess in vier Schritten benötigen wir einen halben Tag.

Es ist nicht damit getan, sich einmalig mit den Denkmustern auseinanderzusetzen, die das Unternehmen subtil lenken und die Kultur prägen. Die besten Erfahrungen haben wir damit gemacht, das Hinterfragen der Denkmodelle in die Regelkommunikation und in die Entscheidungsfindungsprozesse der Organisation einzubeziehen. So verbinden wir die Prozesse der Unternehmensentwicklung immer wieder eng mit diesem tieferen, aber sehr wirkungsvollen Zugang der Entwicklung zu einer belastbaren und resilienten Organisation.

 

Weitere Informationen:
Dr. Mario Weiss
Trigon Klagenfurt
mario.weiss@trigon.at