CoachingFührungInnovationMediation & KonfliktmanagementOrganisationsentwicklungPersonalentwicklungStrategie

Trigon Themen 01|2026 „Glasls Glosse“

Organisationen entwickeln sich – und mit ihnen die Zusammenarbeit.

Vier Phasen geben Orientierung
Von der Pionierphase bis zur Assoziation zeigt der Beitrag, wie sich Führung, Strukturen und Zusammenarbeit verändern. Entscheidend ist: Neue Formen wirken nur, wenn Kultur und Struktur mitgehen. So entsteht Zusammenarbeit, die trägt.
Trigon Themen 01|2026 „Glasls Glosse“

Eine Organisation ist nach der Gründung herausgefordert, sich weiterzuentwickeln, wenn sie geänderten Anforderungen genügen will. Im Buch Dynamische Unternehmensentwicklung beschreibe ich mit Bernard Lievegoed vier Entwicklungsphasen,
in denen für die Zusammenarbeit jeweils andere Gestaltungsprinzipien gelten, die ich in Grundzügen hier anführe.


1 In der Pionierphase prägt das Gefühl der Verbundenheit mit den charismatischen Gründungspersönlichkeiten das soziale Gefüge und Klima. Die Mitarbeitenden können sich
auch ohne genaue formale Regelungen aufeinander verlassen, weil sie wissen, was sie zum Kundennutzen beitragen sollen und worauf es dabei ankommt. Die Formen der Zusammenarbeit sind aufgrund gemachter Erfahrungen weitgehend intuitiv gewachsen, und das erlaubt situatives Gestalten und Improvisieren. Kund:innen bzw. Klient:innen können darauf vertrauen, dass auch besondere Ansprüche nach Möglichkeit erfüllt werden.


2 In der Differenzierungsphase werden die gewachsenen Formen der Zusammenarbeit und der Abläufe rational geordnet und nach einem sachlogischen Konzept verbindlich geregelt, wodurch es nicht mehr so quasi-familiär zugehen kann wie in der ersten Phase. Für die Zusammenarbeit weiß jeder, für welchen Abschnitt im Gesamtablauf er/sie verantwortlich ist, respektiert die formal definierten Zuständigkeiten der Beteiligten und kann sich nötigenfalls auf die Zweckrationalität des Systems berufen. Diese Ordnung erlaubt dem Management eine klare Steuerung und Kontrolle, wodurch Effizienz gewährleistet ist.


3 In der Integrationsphase wird die Ausrichtung auf den zu schaffenden Nutzen für Kund:innen mit vielen Mitarbeitenden kooperativ erarbeitet. Das ermöglicht den Führungspersonen, Teams und einzelnen Mitarbeitenden innerhalb von Rahmenvorgaben Raum zu bieten für eigenverantwortliches und agiles Zusammenarbeiten. Kund:innen- und Zielorientierung zusammen mit Prozessmanagement über Abteilungsgrenzen und  hierarchische Ebenen hinweg sind Voraussetzungen für Effizienz und Effektivität.


4 In der Assoziationsphase bedeutet Kooperieren, dass sich selbständige Organisationen (Firmen, Ämter, Organisationen im Gesundheitswesen oder Bildungsbereich usw.) mit ihren Lieferanten und Kund:innen als Glieder eines organisationsübergreifenden Wertschöpfungsprozesses verstehen, der partnerschaftlich organisiert und gemanagt wird. Aufgrund einer gemeinsamen Strategie und von Mehrjahresverträgen arbeiten sie ressourcenschonend für das Gemeinwohl dieser Partnerschaft und nehmen Rücksicht auf die Kommune, in der sie tätig sind.

 

Jede Form der Kooperation funktioniert nach anderen Paradigmen. Deshalb kann keine Art der Zusammenarbeit eingeführt werden, wenn nicht auch Kultur und Struktur der Organisation entsprechend entwickelt werden, die mit den Prinzipien der gewünschten Zusammenarbeit übereinstimmen. Andernfalls wird die neue Form der Zusammenarbeit wie fremdes Eiweiß vom bestehenden Organismus abgestoßen.