Unternehmensentwicklung zu einer resilienten und belastbaren Organisation

Artikel 1/19 | trigon edition 04

Belastbarkeit und Effizienz balancieren

Britt Huemer, Ingrid Preissegger

Effizienz ist wichtig? Stimmt! – Doch zu viel davon schwächt die Widerstandskraft von Organisationen!

Wir fragen uns: „Haben wir in den letzten Jahrzehnten, in Zeiten des Wachstums, der scheinbar grenzenlosen Möglichkeiten, den Bezug zum Begriff „ÜBERLEBEN“ verloren?“ Langfristige Überlebensfähigkeit schien durch technischen Fortschritt, Medizin und Effizienzsteigerung gewährleistet. Qualitative Ansätze im Management mit Blick auf Menschen und Effektivität wie „Lean Management“, „Business Process Re-Engineering“, „Total Quality Management“ etc. wurden immer mehr für Effizienzmaßnahmen missbraucht, die die Systeme anfällig, schwach und wenig widerstandsfähig machten. In unserem derzeit prägenden Managementverständnis ordnen wir alles vorwiegend dem Primat der Effizienz unter. Dabei fällt es oft schwer, zu erkennen, dass dies auf Kosten der Widerstandsfähigkeit der Systeme und der darin agierenden Menschen geht. Bernard Lietaer, ehemaliger Zentralbankier und Professor in Berkeley, brachte es schon vor einiger Zeit auf den Punkt: „In natürlichen Systemen besteht eine Asymmetrie zwischen Effizienz und Belastbarkeit. Das heißt, dass ein System etwa doppelt so belastbar sein muss wie effizient, wenn es dauerhaft lebensfähig sein will. Um den Punkt der optimalen Balance herum gibt es nur einen sehr schmalen Sektor, das Vitalitätsfenster, in dem das System nachhaltig lebensfähig ist. Außerhalb dieses Vitalitätsfensters ist es entweder zu wenig effizient aufgrund zu hoher Vielfalt und Vernetzung oder zu wenig belastbar wegen zu geringer Vielfalt und Vernetzung.“ (Bernard Lietaer, brandeins, Erhöhte Unfallgefahr, 2009/1)

Was bedeutet eine gute Balance zwischen Belastbarkeit und Effizienz in resilienten Organisationen?

O-Ton aus einem Unternehmen im Sozialbereich: „Wir schaffen die Arbeit in unserer Kernaufgabe nicht mehr, wir werden ausgehungert. Wenn da jemand ausfällt, können wir keine Leistung mehr bringen. Die zentralen Bereiche unterstützen uns nicht, sie machen uns noch mehr Arbeit!“

Krisenfeste Belastbarkeit bedeutet genau das Gegenteil: ausreichend Ressourcen für die Kernprozesse und Reserven bei echten Risikothemen. Belastbarkeit bedeutet jedoch auch, gezielt Ballast in Zentralstellen, bei Hierarchien, bei überladenen Kontrollsystemen abzubauen. Belastbarkeit und Effizienz werden gestärkt durch ein Mindset der Verantwortungsübertragung und Übernahme, des Dialogs, der Fehlerbewusstheit, der Teamfähigkeit, der Rollenvielfalt. So gibt es in resilienten Organisationen auch in Krisensituationen agile Handlungsfähigkeit und eine rasche und belastbare Entscheidungsfindung.

Dieser Artikel wurde entnommen aus:
trigon edition 04 | Unternehmensentwicklung zu einer resilienten und belastbaren Organisation
Herausgegeben von Trigon Klagenfurt
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